Übergewicht Kinder die Verantwortung der Eltern

Übergewicht Kinder die Verantwortung der Eltern

Übergewicht bei Kindern: Wo die Verantwortung der Eltern liegt

Kinder toben über die Wiese und im Wald, fahren den ganzen Tag Fahrrad und essen zwischendurch einen Apfel, den sie dem Nachbarn aus dem Garten gemopst haben. Dieses Idealbild ist heute leider Geschichte. Stattdessen sitzen Kinder immer mehr im Haus, nutzen Fernseher und Computer und schieben sich zwischendurch ungesunde Snacks in den Mund. Die logische Folge ist Übergewicht. In der Schweiz sind circa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig bis adipös. Ein Grossteil dieser Kinder lebt in sozial benachteiligten Familien, die über einen niedrigen Bildungsstand verfügen. Der ungesunde Lebensstil der Eltern hat dicke Kinder zum Ergebnis. Denn die Verantwortung liegt hier eindeutig bei den Erwachsenen. Informieren Sie sich und greifen Sie rechtzeitig ein, wenn sich das Gewicht Ihres Kindes in die falsche Richtung entwickelt. So haben Sie die Chance, Gesundheitsrisiken zu minimieren. 

Übergewicht beginnt schon in der frühen Kindheit

Eltern möchten immer nur das Beste für ihren Nachwuchs. Wenn es um die Ernährung geht, ist es besonders für neue Eltern nicht immer einfach zu erkennen, was ihrem Baby guttut. Der Säugling weint. Ist er müde oder hat er Hunger? Aus Unsicherheit reagieren Mütter und Väter auf ein schreiendes Baby gerne mit dem Angebot von Nahrung. Viele Kleinkinder können ohne reichhaltiges Angebot an Snacks gar nicht auf den Spielplatz gehen und wer hinfällt, bekommt ein Stück Schokolade zum Trost. All diese gut gemeinten Verhaltensweisen fördern schon früh im Leben ein Essverhalten, das mit dem eigentlichen Ernährungsbedarf nichts zu tun hat. Eine Fettleibigkeit in der Kindheit und im späteren Leben ist quasi vorprogrammiert. 

Eltern zeigen den Weg in ein gesundes Leben

Kinder lernen viel durch Nachahmung der Eltern. Sie schauen sich ab, was die Eltern essen, ob sich die Eltern bewegen und sie orientieren sich auch an dem, was die Eltern NICHT tun. Ein guter Weg zu einem gesunden Ernährungsverhalten beginnt früh. Schon im ersten Lebensjahr sollten Sie Ihr Kind in das Thema Essen einbeziehen. Lassen Sie es „begreifen“, was Nahrungsmittel sind. Fühlen, sehen, schmecken und auch mit Essen matschen gehört dazu. Haben Sie keine Angst vor einem verschmierten Esstisch. Ältere Kinder sollten mit einkaufen gehen und Wünsche äussern dürfen. Kochen Sie gemeinsam und verteilen Sie altersentsprechende Aufgaben wie den Tisch zu decken oder den Salat anzurichten. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über gesunde Lebensmittel, aber verbannen Sie Süssigkeiten und Co. nicht ganz. Was verboten ist, wird besonders interessant. Fördern Sie lieber den verantwortlichen Umgang mit Schokolade, Gummibärchen und Chips. 

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Wenn die Kilos trotzdem kommen

Manchmal ist ein gesunder Umgang mit Ernährung leider nicht genug, um Übergewicht bei Kindern vorzubeugen. Auch die genetische Veranlagung, Krankheiten und schwierige Lebensumstände können eine Rolle spielen. Essen kann trösten, wenn ein Kind in der Schule gemobbt wird oder sich die Eltern trennen. Es gibt viele Gründe für eine Gewichtszunahme. Kinderärzte stehen Ihnen als Eltern zur Seite. In jeder Vorsorgeuntersuchung wird das Gewicht Ihres Nachwuchses bestimmt und der Verlauf beobachtet. Greifen Sie rechtzeitig ein, wenn die Gewichtskurve plötzlich zu steil ansteigt. Nutzen Sie die Erfahrung, die Ihr Kinderarzt mit dem Thema Adipositas bei Kindern hat. 

Wenn Sie sehen dass ihr Kind trotz ihrer Bemühungen stark zunimmt, wäre eine professionelle Abklärung und Unterstützung notwendig: bei genetischen Varianten kann man als Eltern das Gewicht wenig bis gar nicht beeinflussen.

Anmerkung
SWISS1CHIRURGIE
Dr. med. Jörg Zehetner, Professor (USC)
MMM, FACS, FEBS (hon.)
Klinik Beau-Site Hirslanden Bern
Schänzlihalde 1, 3013 Bern, Schweiz

Dickmacher, die nicht auf dem Teller liegen

Gesunde Lebensmittel sind ein wichtiger Punkt, aber nicht alleine für normalgewichtige, gesunde Kinder verantwortlich. Ein typisches Problem ist das Essen vor dem Fernseher und generell der Medienkonsum von Kindern. Ablenkung während einer Mahlzeit kann das Sättigungsgefühl stark beeinträchtigen. Viel Zeit vor Fernseher, Computer oder Spielkonsole führt dazu, dass sich Kinder zu wenig bewegen und eher dazu verleitet werden, zusätzlich Junkfood zu essen und zuckerhaltige Getränke zu sich zu nehmen. Das alles sind starke Risikofaktoren für eine Gewichtszunahme. Im Gegensatz dazu haben 90 Minuten Bewegung am Tag einen überaus positiven Einfluss auf das Körpergewicht und die Gesundheit von Kindern in jedem Alter. Um Ihr Kind zu motivieren, sollten Sie mitmachen und einen Sport finden, für den sich Ihr Nachwuchs begeistert. Am Wochenende bietet sich zusätzlich eine Radtour oder ein Skiausflug im Winter für die ganze Familie an. Ihr Ziel sollte es sein, Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn ein gutes Gefühl dafür zu vermitteln, was dem eigenen Körper nützt und was ihm schadet. 

Hilfe zu diesem Thema finden Sie zum Beispiel beim Fachverband Adipositas im Kinder- und Jugendalter (Link: https://www.akj-ch.ch), der sich in der Schweiz um betroffene Familien kümmert. Viele interessante Tipps, Kochrezepte und weitere Anregungen bietet auch die Initiative „Kinder an den Tisch“ (Link: www.kinderandentisch.ch) des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Schauen Sie sich um und lassen Sie sich inspirieren. Tragen Sie sich auch für unseren Newsletter ein. 

Die Wahrheit scheint hart: Übergewichtige Menschen sind nicht gesund

Massives Übergewicht ist eine Krankheit mit dem Namen Adipositas. Kinder sind zu dick, wenn sie 20 Prozent mehr wiegen als der Durchschnitt ihrer Altersgenossen. Übersteigt die individuelle Gewichtskurve die 90. oder die 97. sogenannte Perzentileder Durchschnittskurve im Vorsorgeheft, gilt das Kind als übergewichtig bzw. adipös, also fettleibig. Auch für den Body-Mass-Index (BMI) gilt, dass ab der 90. bzw. 97. Perzentile Übergewicht bzw. Adipositas beginnen. Dicke Kinder habe ein hohes Risiko, auch übergewichtige Erwachsene zu werden. Ihre Gesundheit ist zum Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus bedroht. Ihre Lebenserwartung ist im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern herabgesetzt. Je höher das Gewicht, desto schwieriger gestaltet sich die Abnahme. In extremen Fällen helfen Ernährungsberatung und Sport nicht mehr. Dann kommen Experten wie der erfahrene bariatrische Chirurg Prof. Dr. Jörg Zehetner von der Swiss1Chirurgie ins Spiel. Informieren Sie sich in diesem Video (Link: https://www.swiss1chirurgie.ch/2019/09/die-wahrheit-ueber-krankhaftes-uebergewicht-ein-vortrag-von-prof-dr-joerg-zehetner/), wie die Übergewichtschirurgie in Kombination mit veränderten Lebensgewohnheiten und einer intensiven medizinischen Nachbetreuung Patienten mit Adipositas helfen kann. 

Ganz aktuell: Fettleibigkeit und das Coronavirus

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die auf verschiedenen Ebenen ärztlich behandelt werden sollte. Dicke Kinderbrauchen Unterstützung und kein Body Shaming. Ein ganz aktueller Risikofaktor für die Gesundheit übergewichtiger Menschen hat sich mit der Corona-Pandemie offenbart. Mediziner beobachten enge Zusammenhänge zwischen krankhaftem Übergewicht und schweren Verläufen der Erkrankung COVID-19, die das neuartige Corona-Virus auslösen kann. Der international anerkannte Spezialist Prof. Dr. Jörg Zehetner spricht in diesem Video (https://www.swiss1chirurgie.ch/2020/05/der-covid19-virus-und-uebergewicht-eine-gefaehrliche-kombination/) über wertvolle Erkenntnisse zum Thema COVID-19 und Übergewicht. Professor Zehetner ist Teil des Gremiums, das die Film- und Fernsehdokumentation „GGK, Gefangen im eigenen Geist und Körper“ ins Leben gerufen hat, die sich umfassend mit Lösungsansätzen für krankhaftes Übergewicht befasst. (Link: www.ggk.film) 

Kampf den Kilos: Eltern tragen die Verantwortung für ihre Kinder

Bleiben Sie wachsam und verlieren Sie das Gewicht Ihres Kindes nicht aus den Augen. Greifen Sie früh ein, wenn Sie eine Entwicklung bemerken, die nicht gut für Ihre Tochter oder Ihren Sohn ist. Das Leben ist zu wertvoll, um es durch Fettleibigkeitaufs Spiel zu setzen. Sie haben es als Mutter oder Vater mit in der Hand. Sie tragen die Verantwortung für die Gesundheit Ihres Kindes. Nehmen Sie Hilfe von Fachleuten in Anspruch, die sich mit der Erkrankung auskennen. 

Quellenangaben (abgerufen am 10.08.2020):

– Deutsches Ärzteblatt online, Adi­positas-Chirurgie: Magenbypass hat bei Jugendlichen langfristige Vorteile und Risiken {https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72340/Adipositas-Chirurgie-Magenbypass-hat-bei-Jugendlichen-langfristige-Vorteile-und-Risiken}

– Bundesamt für Gesundheit der Schweiz {https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/gesundheitsfoerderung-und-praevention/koerpergewicht/uebergewicht-und-adipositas.html}

– Robert Koch Institut: Kindliche Adipositas – Einflussfaktoren im Blick {https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Adipositas_Monitoring/AdiMon_Infobroschuere.pdf?__blob=publicationFile}

– GGK, Gefangen im eigenen Geist und Körper, Dokumentation {www.ggk.film}

– Kumar S, Kelly AS. Review of Childhood Obesity: From Epidemiology, Etiology, and Comorbidities to Clinical Assessment and Treatment. Mayo Clin Proc. 2017;92(2):251-265. doi:10.1016/j.mayocp.2016.09.017{https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0025-6196(16)30595-X}

– Kumar S, Kaufman T. Childhood obesity. Panminerva Med. 2018;60(4):200-212. doi:10.23736/S0031-0808.18.03557-7{https://www.minervamedica.it/en/journals/panminerva-medica/article.php?cod=R41Y2018N04A0200}

GGK.FILM Autorin:

als Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin liegt mir die medizinische Beratung und Weiterbildung von Eltern ganz besonders am Herzen. Es ist mir ein Anliegen, komplexe medizinische Themen für Laien verständlich darzustellen. Sie finden meine Texte regelmässig auf ggk.film und medizinischen Blogs und in wissenschaftlichen Ratgebern.

Ich bin nicht nur Kinderärztin, sondern auch Mutter von zwei Kindern. Sie Profitieren von meinem Wissen und meiner Erfahrung, zum Thema Kindererziehung, Kindergarten oder Schule . Meine wissenschaftlichen Quellen sind oben aufgeführt. 

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